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Navigation · Richtungen

Kurse und Peilungen sicher unterscheiden

Wissensatlas öffnenNavigation und Törnplanung

Kurs und Peilung werden beide in Grad angegeben, beantworten aber verschiedene Fragen. Der Kurs beschreibt die Richtung, in die ein Fahrzeug gesteuert wird oder sich bewegt. Eine Peilung beschreibt die Richtung vom Beobachtungsort zu einem Objekt. Erst die klare Bezeichnung macht einen Zahlenwert navigierbar.

Kurs und Peilung sauber trennen

Ein rechtweisender Kurs bezieht sich auf rechtweisend Nord, ein Magnetkompasskurs auf die Anzeige des Magnetkompasses. Der Kurs durchs Wasser kann vom Kurs über Grund abweichen, wenn Strom oder Wind versetzen. Ebenso muss bei einer Peilung angegeben oder bekannt sein, ob sie rechtweisend, magnetisch oder relativ zur Schiffsrichtung gemessen wurde.

  • Steuerkurs: Richtung, die am Steuerkompass gehalten werden soll.
  • Kurs durchs Wasser: Bewegungsrichtung relativ zum umgebenden Wasser.
  • Kurs über Grund: tatsächliche Bewegungsrichtung über dem Meeresboden.
  • Peilung: Richtung vom eigenen Standort zu einem beobachteten Objekt.
AngabeFrageBezug
rwKIn welche rechtweisende Richtung zeigt oder fährt das Boot?rechtweisend Nord
KdWIn welche Richtung bewegt es sich durch das Wasser?Wasser
KüGIn welche Richtung bewegt es sich über den Grund?Meeresboden
rwPIn welcher rechtweisenden Richtung liegt das Objekt?rechtweisend Nord
SeitenpeilungWie weit liegt das Objekt seitlich von der Schiffsrichtung?Schiffslängsachse

Beispiel: Seitenpeilung in rechtweisende Peilung umwandeln

Das Boot liegt auf rwK 070°. Ein Objekt wird 35° an Steuerbord gepeilt. Steuerbord wird in dieser Rechnung positiv angesetzt: rwP = 070° + 35° = 105°. Liegt das Objekt stattdessen 20° an Backbord, wird die Seitenpeilung negativ: rwP = 070° − 20° = 050°. Ergebnisse ab 360° werden um 360° vermindert, negative Ergebnisse um 360° erhöht.

Richtungen in die Karte übertragen

In der Seekarte werden rechtweisende Richtungen verwendet. Ein Kurs wird vom Ausgangspunkt in Fahrtrichtung abgetragen. Eine Peilung zum Objekt verläuft dagegen vom Standort zum Objekt; für die Standlinie wird dieselbe Gerade durch das gepeilte Objekt in Gegenrichtung verlängert. Instrumentenwerte werden zuvor auf denselben Richtungsbezug gebracht.

Peilungen für Standort und Gefahr nutzen

Zwei möglichst gleichzeitig aufgenommene Peilungen zu eindeutig identifizierten Kartenobjekten erzeugen zwei Standlinien. Ihr Schnitt ist der beobachtete Ort. Ein günstiger Schnittwinkel verbessert die Aussage; sehr spitze Winkel machen kleine Messfehler zu großen Ortsfehlern. Eine dritte Standlinie kann Fehler sichtbar machen.

Bei einer Doppelpeilung wird dasselbe Objekt zu zwei Zeitpunkten gepeilt. Zwischen beiden Beobachtungen müssen Kurs, Fahrt, verstrichene Zeit und Versatz berücksichtigt werden. Eine Grenzpeilung markiert eine Linie, die nicht überschritten werden soll, beispielsweise vor einer Untiefe.

Beispiel: Kreuzpeilung in die Karte eintragen

Leuchtturm A wird rechtweisend mit 045° gepeilt, Kirchturm B mit 310°. Die Peilstrahlen liefen vom Boot zu den Objekten. In der Karte werden deshalb die Gegenrichtungen von den bekannten Objekten abgetragen: von A aus 225°, von B aus 130°. Der Schnitt beider Standlinien ist der beobachtete Ort. Schneiden sie sich sehr flach, wird eine weitere Beobachtung mit günstigerem Winkel abgewartet oder eine dritte Standlinie ergänzt.

Beispiel: Grenzpeilung als Sicherheitslinie

Ein Leuchtfeuer darf aus navigatorischen Gründen nicht westlicher als in rwP 025° erscheinen. Welche Seite dieser Linie sicher ist, wird vorher aus Seekarte, eigener Bewegungsrichtung und Lage der Gefahr bestimmt; aus dem Zahlenwert allein folgt sie nicht. Solange die laufende Peilung auf der zuvor festgelegten sicheren Seite bleibt, ist die Grenze nicht überschritten. Nähert sich die Peilung dem Grenzwert, wird nicht bis zum rechnerischen Schnittpunkt gewartet: Kurs und Abstand werden frühzeitig überprüft.

Gefahrenkontrolle: Eine annähernd stehende Peilung zu einem anderen Fahrzeug bei sinkender Entfernung weist auf Kollisionsgefahr hin. Entscheidend ist die Entwicklung über mehrere Beobachtungen.

Beispiel: Ein Fahrzeug wird um 12:00 Uhr in rwP 032° und um 12:03 Uhr erneut in rwP 032° gesehen, während es deutlich größer erscheint. Die nahezu unveränderte Peilung bei abnehmender Entfernung ist ein Warnsignal. Ändert sich die Peilung dagegen stetig, beweist das allein noch keine sichere Passage; Entfernung, Annäherungsgeschwindigkeit und Manövrierraum bleiben zu bewerten.

Abdrift und Stromversatz erkennen

Wind kann das Boot seitlich durch das Wasser versetzen; Strom versetzt den gesamten Weg über Grund. Ein gesteuerter Kompasskurs ist daher nicht automatisch der gewünschte Kartenkurs. Erwarteter Versatz wird vorausberechnet und unterwegs mit beobachteten Orten, Peilungen und GNSS kontrolliert.

Vom Zielkurs bis zum Steuerkompass

  1. Gewünschten Kurs über Grund aus der Karte bestimmen.
  2. Strom und Abdrift berücksichtigen; Ergebnis ist der benötigte Kurs durchs Wasser.
  3. Den rechtweisenden Kurs mit Missweisung und Ablenkung in den Kompasskurs umrechnen.
  4. Unterwegs Kurs über Grund und beobachteten Ort kontrollieren und die Planung anpassen.

Typische Plausibilitätsfragen

  1. Ist die Richtung eindeutig bezeichnet und auf welchen Norden bezogen?
  2. Zeigt die Kurslinie tatsächlich vom Start zum Ziel?
  3. Ist das gepeilte Objekt eindeutig identifiziert?
  4. Passen Schnittwinkel, Zeitabstand und angenommene Fahrt?
  5. Stimmt das Ergebnis mit Tiefe, Sicht und elektronischer Position überein?

Die Bewegung zwischen Wasser und Grund vertieft Koppeln und Versetzung. Die Umrechnung zwischen Karten- und Kompassrichtung folgt in Kompasskorrekturen.

Kompasskorrekturen verstehen