Koppeln bedeutet, eine Schiffsposition aus einem bekannten Ausgangsort und der seitdem zurückgelegten Bewegung fortzuschreiben. Der so berechnete Koppelort ist eine Prognose. Ein durch Peilung, GNSS oder eine andere unabhängige Beobachtung gewonnener Ort zeigt, wo sich das Boot tatsächlich befindet. Der Unterschied zwischen beiden Orten macht Versetzung sichtbar.
Vom bekannten Ort zum Koppelort
Ausgangspunkt ist ein verlässlicher Ort mit Uhrzeit. Von dort wird der Kurs durchs Wasser in Fahrtrichtung abgetragen. Die zurückgelegte Strecke folgt aus Fahrt durchs Wasser und Zeit:
Strecke in Seemeilen = Fahrt in Knoten × Zeit in Stunden.
Beispiel: Ein Boot läuft ab 10:20 Uhr für 45 Minuten mit 6 kn auf einem Kurs durchs Wasser von 110°. Die Zeit beträgt 0,75 Stunden. Damit werden 6 × 0,75 = 4,5 sm auf 110° abgetragen. Der Endpunkt ist der Koppelort für 11:05 Uhr.
Besteckversetzung lesen
Liegt der beobachtete Ort um 11:05 Uhr nicht auf dem Koppelort, wird die Verbindung vom Koppelort zum beobachteten Ort ausgewertet. Ihre Richtung ist die Richtung der Besteckversetzung, ihre Länge die Versetzungsstrecke. Die Reihenfolge ist entscheidend: Eine Linie in Gegenrichtung würde die Herkunft statt der Wirkung der Versetzung beschreiben.
Stromdreieck Schritt für Schritt
- Vom Ausgangsort den Vektor der Fahrt durchs Wasser mit Kurs durchs Wasser und zurückgelegter Strecke zeichnen.
- An dessen Spitze den Stromvektor in Stromrichtung mit der Stromstrecke antragen.
- Die Verbindung vom Ausgangsort zum Endpunkt ergibt Kurs und Strecke über Grund.
- Die Längen durch die verwendete Zeit teilen, um Fahrt durchs Wasser, Stromgeschwindigkeit und Geschwindigkeit über Grund zu kontrollieren.
Beispiel: Das Boot fährt eine Stunde mit 6 kn auf 090° durchs Wasser. Ein Strom setzt mit 2 kn nach 180°. Der Fahrvektor zeigt 6 sm nach Osten, der Stromvektor 2 sm nach Süden. Die resultierende Strecke über Grund beträgt rund 6,3 sm; der Kurs über Grund liegt bei ungefähr 108°. Das Beispiel zeigt: Der Strom ändert sowohl Richtung als auch Geschwindigkeit über Grund.
Gewünschten Kurs über Grund vorausberechnen
Soll trotz Strom ein bestimmter Kartenkurs eingehalten werden, wird das Dreieck rückwärts gelöst. Vom Ausgangsort wird zunächst die gewünschte Grundlinie gezeichnet. Vom selben Ausgangsort trägt man den bekannten Stromvektor ab. Um dessen Spitze wird ein Kreis mit dem Radius der in der Planungszeit erreichbaren Strecke durchs Wasser geschlagen. Der Schnitt mit der Grundlinie liefert den benötigten Kurs durchs Wasser.
Für einen gewünschten Kurs über Grund von 090°, 6 kn Fahrt durchs Wasser und einen Strom von 2 kn nach 180° muss das Boot rund 19° gegen den Strom vorhalten. Der Kurs durchs Wasser liegt damit ungefähr bei 071°; die Geschwindigkeit über Grund beträgt etwa 5,7 kn. Erst anschließend wird dieser rechtweisende Kurs mit Missweisung und Ablenkung in den zu steuernden Kompasskurs umgerechnet.
Windversetzung nicht doppelt ansetzen
Abdrift durch Wind wird häufig als Winkel zwischen Längsrichtung und tatsächlicher Bewegung durchs Wasser berücksichtigt. Strom wirkt dagegen auf den gesamten Bewegungsvektor über Grund. Welcher Wert bereits in Logge, elektronischer Anzeige oder Planung enthalten ist, muss eindeutig sein. Sonst wird dieselbe Wirkung zweimal korrigiert.
Kontrolle und Fehlergrenzen
- Jeder Ort erhält Uhrzeit und Bestimmungsart.
- Änderungen von Kurs oder Fahrt beginnen eine neue Koppelstrecke.
- Unsicherheit wächst mit Zeit, ungenauer Fahrt und wechselndem Strom.
- Ein beobachteter Ort ersetzt die alte Prognose als neuen Ausgangspunkt.
- Passt die Versetzung nicht zu Wind, Strom und Steuerverlauf, werden Beobachtung und Eintragung geprüft.
Die Richtungsbegriffe erläutert Kurse und Peilungen. Wie aus einem rechtweisenden Kurs der Steuerkompasskurs entsteht, zeigt Kompasskorrekturen.