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Kompasskorrekturen nachvollziehbar rechnen

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Die Seekarte ist nach rechtweisend Nord ausgerichtet. Der Magnetkompass richtet sich zunächst nach dem örtlichen Magnetfeld und wird zusätzlich durch magnetische Einflüsse des eigenen Boots verändert. Eine Kursumrechnung verbindet diese drei Richtungsbezüge. Deshalb gehört zu jedem Zahlenwert seine Bezeichnung: rwK, MgK oder KK.

Ablenkung und Missweisung

Missweisung (Mw) ist der Winkel zwischen rechtweisend Nord und magnetisch Nord. Sie hängt von Ort und Zeit ab. Ausgangspunkt sind Rose, Bezugsjahr und jährliche Änderung in der aktuellen Seekarte.

Ablenkung (Abl) ist der Fehler, den Magnetismus und elektrische Einrichtungen des eigenen Boots am Kompass verursachen. Sie hängt häufig vom Kompasskurs ab. Der Wert wird aus der gültigen Ablenkungstabelle dieses Boots entnommen; eine fremde Tabelle ist unbrauchbar.

GrößeBezugTypische Quelle
rwKrechtweisend NordSeekarte oder geplante Kurslinie
MgKmagnetisch Nordrechnerische Zwischenstufe
KKKompass-Nord des BootsSteuerkompass
Mwrechtweisend zu magnetischKartenrose, auf das Nutzungsjahr berichtigt
Ablmagnetisch zu KompassAblenkungstabelle des Boots

Ost positiv, West negativ

Für alle folgenden Rechnungen gilt eine feste algebraische Konvention: Ostwerte erhalten ein Pluszeichen, Westwerte ein Minuszeichen. Damit werden keine wechselnden Merksprüche benötigt. Die beiden Grundgleichungen lauten:

  • rwK = MgK + Mw
  • MgK = KK + Abl
  • zusammengefasst: rwK = KK + Abl + Mw

Wer von der Karte zum Kompass rechnet, stellt dieselben Gleichungen um: MgK = rwK − Mw und KK = MgK − Abl. Das Minuszeichen vor einer Korrektur ist eine Rechenoperation. Hat die Korrektur selbst ein negatives Westvorzeichen, wird aus „minus minus“ ein Plus.

Wichtig: Die Vorzeichenkonvention muss zur verwendeten Karte, Ablenkungstabelle und Ausbildungsunterlage passen. Hier wird durchgehend Ost = positiv und West = negativ verwendet. Nicht zwischen verschiedenen Schemata wechseln.

Missweisung auf das Nutzungsjahr fortschreiben

Eine Kartenrose kann beispielsweise für 2022 eine Missweisung von 2°20′ E und eine jährliche Zunahme von 7′ angeben. Für 2026 liegen vier Änderungen dazwischen: 4 × 7′ = 28′. Damit ergibt sich 2°48′ E. Wird für die Aufgabe auf ganze Grade gerundet, sind das +3°. Eine jährliche westliche Änderung würde von einem Ostwert abgezogen beziehungsweise einen Westwert weiter negativ machen.

  1. Differenz zwischen Bezugsjahr und Nutzungsjahr bestimmen.
  2. Jahreszahl mit der jährlichen Änderung multiplizieren.
  3. Richtung der Änderung beachten und den Ausgangswert algebraisch fortschreiben.
  4. Erst am vorgesehenen Punkt und nach der geforderten Regel runden.

Vom Kartenkurs zum Kompasskurs

Der gewünschte rechtweisende Kurs kommt aus der Karte oder aus einer Versetzungsrechnung. Zuerst wird die Missweisung abgezogen. Danach wird die zum erwarteten Kompasskurs gehörende Ablenkung abgezogen. Weil die Ablenkung vom noch gesuchten KK abhängen kann, ist gelegentlich eine zweite Tabellenablesung nötig.

rwK− MwMgK− AblKK

Drei vollständig gerechnete Beispiele

Beispiel 1: Von der Karte zum Steuerkompass

Gegeben sind rwK = 082°, Mw = 3° E und Abl = 2° W. In der vereinbarten Schreibweise gilt Mw = +3° und Abl = −2°.

  1. MgK = rwK − Mw = 082° − (+3°) = MgK = 079°.
  2. KK = MgK − Abl = 079° − (−2°) = KK = 081°.
  3. Rückprobe: 081° + (−2°) + (+3°) = 082°.

Der Westwert der Ablenkung wird in der Rückwärtsrichtung nicht „einfach abgezogen“: Subtrahiert wird der bereits negative Wert, deshalb steigt das Ergebnis von 079° auf 081°.

Beispiel 2: Vom abgelesenen Kompasskurs zur Karte

Gegeben sind KK = 214°, Abl = 4° E und Mw = 2° W. Damit gilt Abl = +4° und Mw = −2°.

  1. MgK = KK + Abl = 214° + (+4°) = MgK = 218°.
  2. rwK = MgK + Mw = 218° + (−2°) = rwK = 216°.
  3. Rückprobe: 216° − (−2°) − (+4°) = 214°.

Beispiel 3: Rechnen über 000°

Gegeben sind rwK = 002°, Mw = 4° E und Abl = 1° E. Zunächst ergibt sich MgK = 002° − 4° = −2°. Auf die Kompassrose normiert entspricht −2° dem Wert 358°. Danach folgt KK = 357°, denn 358° − 1° = 357°.

Werte unter 000° werden durch Addition von 360° normiert; Werte ab 360° durch Subtraktion von 360°. Das verändert die Richtung nicht.

Ablenkung richtig aus der Tabelle entnehmen

Bei der Rechnung vom Kompass zur Karte ist der KK bekannt und die Tabellenzeile eindeutig. Beim Weg von der Karte zum Kompass ist KK erst das Ergebnis. Man beginnt mit einer plausiblen Tabellenzeile nahe dem erwarteten Kurs, berechnet KK und prüft anschließend, ob dieser Kurs noch in den verwendeten Tabellenbereich fällt. Falls nicht, wird mit dem passenderen Ablenkungswert erneut gerechnet. Zwischenwerte dürfen nur interpoliert werden, wenn die Tabelle und das Verfahren dies zulassen.

Kompasspeilungen folgen derselben Logik

Eine am Peilkompass abgelesene Kompasspeilung wird ebenfalls über Ablenkung und Missweisung auf rechtweisend gebracht: rwP = KP + Abl + Mw. Für die Ablenkung ist dabei der anliegende Kurs beziehungsweise die für das Peilinstrument gültige Tabelle maßgeblich. Eine Seitenpeilung relativ zur Schiffsrichtung ist zuerst mit dem rechtweisenden Kurs zu einer rechtweisenden Peilung zu verbinden.

Ein Arbeitsverfahren gegen Vorzeichenfehler

  1. Gegebene und gesuchte Größe samt Kürzel notieren.
  2. Mw für Ort und Jahr bestimmen und als vorzeichenbehaftete Zahl schreiben.
  3. Abl für den maßgeblichen Kurs aus der richtigen Tabelle entnehmen.
  4. Eine der Grundgleichungen aufschreiben und erst dann Zahlen einsetzen.
  5. Ergebnis auf 000° bis 359° normieren.
  6. Mit der Gegenrichtung zurückrechnen; sie muss exakt zum Ausgangswert führen.
AuffälligkeitWahrscheinliche UrsachePrüfung
Abweichung um den doppelten KorrekturwertVorzeichen vertauschtOst/West zuerst in +/− übersetzen
Einige Grad unerklärliche Differenzfalsches Jahr oder falsche AblenkungszeileKartenrose und KK-Bereich erneut lesen
Ergebnis unter 000° oder über 359°noch nicht normiert360° addieren oder abziehen
Hin- und Rückrechnung unterscheiden sichRechen- oder Rundungsfehlermit ungerundeten Zwischenwerten wiederholen

Der Kompass bleibt ein geprüftes System

Neue Lautsprecher, Werkzeuge, Mobilgeräte, Leitungen oder elektrische Verbraucher können die Ablenkung verändern. Der Kompass wird deshalb nach relevanten Änderungen und in geeigneten Abständen kontrolliert. Luftblasen, schwergängige Anzeige und ungünstige Beleuchtung sind weitere Fehlerquellen.

Wind und Strom sind keine Kompassfehler

Abdrift und Stromversatz verändern den gefahrenen Weg. Sie werden vor der Kompassumrechnung in einen benötigten Kurs durchs Wasser überführt. Erst dieser rechtweisende Kurs wird mit Mw und Abl zum Steuerkompasskurs. Den vollständigen Übergang erklärt Koppeln und Versetzung.

Koppeln und Versetzung verstehen