Die richtige Ausweichentscheidung beginnt nicht mit „Steuerbord vor Backbord“. Zuerst musst du klären, welche Regelgruppe überhaupt gilt. Erst danach folgen Lage, Rollen und Manöver.
Der Entscheidungsbaum
- Sicht: Sind die Fahrzeuge in Sicht voneinander oder gilt Verhalten bei verminderter Sicht?
- Status: Welche Fahrzeugarten, Tätigkeiten oder Einschränkungen liegen vor?
- Lage: Handelt es sich um Überholen, Entgegenkommen oder Kreuzen?
- Pflicht: Wer muss ausweichen, wer hält zunächst Kurs und Geschwindigkeit?
- Manöver: Frühzeitig, deutlich und unter fortlaufender Beobachtung handeln.
Abstraktes Beispiel ohne Prüfungsantwort
Zwei Maschinenfahrzeuge sind bei guter Sicht auf sich kreuzenden Kursen. Bevor du eine Seite auswählst, prüfst du die relative Lage und ob Kollisionsgefahr besteht. Danach ordnest du Ausweich- und Kurshaltepflicht zu und kontrollierst, ob das Manöver im Verlauf eindeutig wirksam wird. Der Zweck des Beispiels ist die Reihenfolge, nicht ein reproduzierbarer Katalogfall.
Kernlagen bei guter Sicht
| Lage | Erste Zuordnung | Wichtige Grenze |
|---|---|---|
| Überholen | Der Überholer hält sich frei. | Die Pflicht bleibt bis zum endgültigen Klarpassieren bestehen; bei Zweifel gilt die Lage als Überholen. |
| Entgegenkommende Maschinenfahrzeuge | Beide ändern deutlich nach Steuerbord. | Nur anwenden, wenn tatsächlich Gegenkurs oder nahezu Gegenkurs und Kollisionsgefahr vorliegen. |
| Kreuzende Maschinenfahrzeuge | Wer das andere an Steuerbord hat, hält sich frei. | Das Ausweichmanöver soll früh und deutlich sein; ein Kreuzen vor dem Bug wird möglichst vermieden. |
| Segelfahrzeuge | Windseiten und gegebenenfalls die Lage zum Wind bestimmen die Pflicht. | Überholen, enge Fahrwasser und besondere Fahrzeugzustände gehen der einfachen Segelregel voraus. |
| Kurshalter | Zunächst Kurs und Geschwindigkeit halten und weiter beobachten. | Bei unzureichendem Ausweichen darf und später muss der Kurshalter selbst zur Kollisionsverhütung handeln. |
Sonderbereiche zuerst erkennen
Enge Fahrwasser, Verkehrstrennungsgebiete und verminderte Sicht besitzen eigene Regeln. Ein Segelfahrzeug oder ein kleines Fahrzeug darf ein Fahrzeug nicht behindern, das nur innerhalb eines engen Fahrwassers sicher fahren kann. Bei verminderter Sicht und fehlendem Sichtkontakt werden die Sichtregeln für Gegenkurs oder kreuzende Kurse nicht schematisch übertragen; sichere Geschwindigkeit, Radarbewertung, Schallsignale und KVR Regel 19 bestimmen das Vorgehen. Auf deutschen Seeschifffahrtsstraßen kommen die nationalen Fahr- und Vorfahrtsregeln hinzu.
Drei häufige Fehler
- Fahrzeughierarchien werden pauschal angewendet, ohne Tätigkeit und Regelbereich zu prüfen.
- Kurshalten wird mit Nichtstun verwechselt; Beobachtung und spätere Handlungspflichten bleiben bestehen.
- Ein kleines, spätes Manöver ist für das andere Fahrzeug nicht eindeutig erkennbar.
Amtliche Grundlage
Teil B der KVR enthält die Ausweich- und Fahrregeln. Die hier gezeigte Prüfreihenfolge ist eine Lernhilfe; verbindlich ist der amtliche Wortlaut. Quellenstand geprüft am 15. August 2026.
Trainiere anschließend wechselnde Situationen im SBF-See-Modul. Für Nachtlagen hilft zuvor die systematische Lichterkennung.