Ein Segel wird nicht nach dem Wind über einer Wetterkarte eingestellt, sondern nach der Luftströmung, die das fahrende Boot tatsächlich erreicht. Diese Strömung verändert sich mit Kurs und Geschwindigkeit. Wer ihre Bestandteile trennt, kann Windanzeigen, Windfäden, Krängung und Segeldruck sinnvoll deuten.
Wahrer Wind, Fahrtwind und scheinbarer Wind
Wahrer Wind bezeichnet die Bewegung der Luft relativ zur festen Erdoberfläche. Fahrtwind entsteht durch die Eigenbewegung des Bootes und wirkt der Fahrtrichtung entgegen. Aus beiden Bewegungen ergibt sich der scheinbare Wind. Er ist die am fahrenden Boot mess- und fühlbare Strömung und damit die unmittelbare Bezugsgröße für Segelstellung und Belastung.
Diese Addition betrifft Richtung und Geschwindigkeit zugleich. Deshalb genügt es nicht, Windstärken einfach zu addieren. Die beiden Bewegungen werden als Pfeile mit Richtung und Länge zusammengesetzt. Ändert sich einer der Pfeile, ändert sich auch das Ergebnis.
Wie Kurs und Fahrt den Wind verändern
Auf einem Amwindkurs zeigt der Fahrtwind ungefähr aus der Richtung, aus der auch ein Anteil des wahren Windes kommt. Der scheinbare Wind fällt dadurch weiter von vorn ein und ist häufig stärker als der wahre Wind. Auf einem raumen oder Vorwindkurs bewegt sich das Boot teilweise mit der Luftströmung. Der scheinbare Wind ist dann meist schwächer und kommt weiter von achtern.
Beschleunigt das Boot bei unverändertem wahren Wind, wächst der Anteil des Fahrtwinds. Der scheinbare Wind dreht nach vorn. Wird das Boot langsamer, fällt dieser Anteil kleiner aus und der scheinbare Wind wandert wieder nach achtern. Eine Geschwindigkeitsänderung kann deshalb eine neue Schotstellung verlangen, obwohl der wahre Wind gleich geblieben ist.
| Veränderung | Typische Wirkung | Folge an Bord |
|---|---|---|
| Mehr Bootsfahrt | Scheinbarer Wind dreht eher nach vorn | Segelstellung und Kursanzeige neu beurteilen |
| Weniger Bootsfahrt | Scheinbarer Wind fällt eher achterlicher ein | Segel können zu dicht stehen |
| Anluven | Scheinbarer Wind kommt stärker von vorn | Segel dichter führen, bis die Strömung passt |
| Abfallen | Scheinbarer Wind kommt weiter von der Seite oder achtern | Segel kontrolliert fieren |
Böen und Winddreher unterscheiden
Eine Bö verändert zunächst Stärke und häufig auch Richtung des wahren Windes. Wie sich dadurch der scheinbare Wind dreht, hängt vom Kurs und vom Verhältnis zwischen Wind- und Bootsgeschwindigkeit ab. Auf einem stabilen Amwindkurs fällt eine reine Geschwindigkeitszunahme des wahren Winds zunächst oft achterlicher ein; auf anderen Kursen kann die Winkeländerung anders oder gering sein. Beschleunigt das Boot anschließend, verschiebt sich der scheinbare Wind wieder nach vorn. In der Praxis überlagern sich Bö, Winddreher, Wellen und Steuerbewegungen, weshalb eine einzelne pauschale Drehrichtung nicht genügt.
Darum wird nicht aus einer einzigen Anzeige entschieden. Windfäden, Verklicker, Wellenbild, Kompasskurs, Bootsgeschwindigkeit und Druck am Ruder ergeben zusammen ein belastbareres Bild.
Wind an Bord beobachten
- Das Anemometer zeigt während der Fahrt die scheinbare Windgeschwindigkeit.
- Der Verklicker zeigt die lokale Strömungsrichtung am Masttop, kann aber durch Rollen und Turbulenz unruhig sein.
- Windfäden im Vorsegel machen sichtbar, ob die Strömung an Luv- und Leeseite anliegt.
- Flaggen, Rauch, Wasseroberfläche und Wellenkämme helfen, den wahren Wind außerhalb des Bootseinflusses einzuschätzen.
- Krängung und Ruderdruck zeigen, ob die aktuelle Segelfläche und der Trimm zum anliegenden Wind passen.
Grenzen der Instrumente
Ein Geber misst die Strömung an seinem Einbauort. Mast, Segel, Aufbauten, Krängung und Bewegung im Seegang können sie beeinflussen. Elektronisch berechneter wahrer Wind hängt zusätzlich von korrekten Daten für Bootsgeschwindigkeit, Kurs und Bewegung ab. Unplausible Werte werden mit sichtbaren und fühlbaren Beobachtungen abgeglichen.
Als Nächstes ordnest du diese Strömung den Kursen zum Wind zu.