Die Navigationsaufgabe ist bei der SBF-See-Prüfung ein eigener, getrennt gewerteter Prüfungsteil. Viele Prüflinge beherrschen den Fragenkatalog gut, scheitern aber an genau dieser Aufgabe, weil sie vorher kaum echte Kartenarbeit geübt haben.
Was die Navigationsaufgabe verlangt
Der amtliche Fragenkatalog See umfasst 300 nummerierte Einträge: 72 Basisfragen, 213 spezifische Fragen See und 15 Navigationsaufgaben. Jede Navigationsaufgabe enthält neun schriftlich zu beantwortende Teilfragen zu Kurs, Distanz, Zeit, Peilung und Standortbestimmung auf der Seekarte.
Bestehensgrenze und Bewertung
SBF See wird getrennt gewertet: mindestens 5 von 7 Basisfragen, mindestens 18 von 23 spezifischen Fragen und zusätzlich mindestens 7 von 9 Teilfragen in der Navigationsaufgabe. Eine schwache Navigationsaufgabe lässt sich also nicht automatisch durch gute Ergebnisse im übrigen Fragebogen ausgleichen.
Werkzeugkunde: von der Papierkarte zu NavSim
In der echten Prüfung arbeitest du mit Kursdreieck, Zirkel und Seekarte. NavSim bildet genau diese Werkzeuge digital nach: Lineal für Kurslinien, Peilstrahl für Peilungen, Zirkel für Distanzen und ein Positionswerkzeug für den Koppelort. Du konstruierst damit direkt auf der Karte, statt nur einen Zahlenwert einzutippen.

Die Grundverfahren der Navigationsaufgabe
- Kartenkurs und Kartenpeilung direkt von der Karte ablesen oder eintragen.
- Missweisung und Ablenkung in der Kursumrechnung zwischen Magnetkompasskurs (MgK), missweisendem Kurs (mwK) und rechtweisendem Kurs (rwK) richtig anwenden.
- Distanz und Fahrzeit aus Geschwindigkeit über Grund berechnen.
- Besteckversetzung, wenn Strom oder Wind den Kurs über Grund verändern.
- Kreuzpeilung zur Standortbestimmung aus zwei oder drei Peilungen.
Wie eine Teilaufgabe im Prinzip abläuft
Eine typische Teilaufgabe verbindet zwei dieser Verfahren: Du bestimmst zunächst deinen Standort per Kreuzpeilung, rechnest den missweisenden in den rechtweisenden Kurs um und ermittelst daraus Distanz oder Fahrzeit zu einem Zielpunkt. NavSim führt dich in Lernen und Üben mit progressiven Hilfestufen durch genau diese Schrittfolge, bevor eine Musterlösung aufgedeckt wird. Ein vollständig durchgerechnetes Zahlenbeispiel veröffentlichen wir hier bewusst erst nach eigener fachlicher Freigabe, damit kein Ausschnitt des geschützten Prüfungskatalogs unautorisiert erscheint.
Fünf typische Fehlerbilder
- Missweisung mit falschem Vorzeichen angewendet, dadurch Kurs um den doppelten Missweisungswert verschoben.
- Peilrichtung und Standlinie verwechselt: Gepeilt wird vom Beobachter zum Objekt; zum Eintragen der Standlinie wird die Gegenrichtung vom Objekt aus abgetragen.
- Peilungen nicht möglichst zeitgleich aufgenommen: Bewegt sich das Boot zwischen den Peilungen, entsteht ohne zeitliche Versetzung der Standlinien kein gemeinsamer Standort.
- Maßstab der Kartenrandskala falsch abgelesen, dadurch Distanz um eine Zehnerpotenz verschoben.
- Besteckversetzung addiert statt subtrahiert oder mit falscher Richtung angesetzt.
Die Brücke zur Papierkarte
Digitales Verständnis ersetzt die Prüfung auf Papier nicht. Der Papierkartenmodus in NavSim lässt dich jede Aufgabe zuerst selbst auf Papier rechnen und deckt Rechenweg sowie Musterlösung erst danach auf. So trainierst du genau den Ablauf, der in der echten Prüfung erwartet wird.
Quellen und Stand
Fragenumfang und Bestehensgrenzen wurden zuletzt am 15. August 2026 direkt gegen den amtlichen ELWIS-Fragenkatalog See und den amtlichen Bewertungsschlüssel geprüft. Maßgeblich bleibt der jeweils aktuelle Veröffentlichungsstand der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt.
So übst du die Navigationsaufgabe konkret
Alle 15 amtlichen Navigationsaufgaben stehen in NavSim als eigenständige Übungen bereit, inklusive Konstruktionsbewertung und progressiven Hilfestufen. Wer zusätzlich den gesamten SBF-See-Fragenkatalog trainieren möchte, findet ihn unter SBF See bei KlarDeck.
